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Berichte und Beiträge

Moskauer Konferenz: Saint John Cassian and the Monastic Tradition of the Christian East and West (19.-22. November 2015)

Teilnehmer der internationalen Cassian-Konferenz in Moskau in der Akademie des Klosters „Heilige Trinität - St. Sergius Laura“ (von links nach rechts): Dr. Alexey Fokin, Prof. Mark Sheridan OSB, Hegumen Dionysius Shlenow, Prof. Columba Stewart OSB, Prof. Petre Guran, Dr. Gabriele Ziegler


Teilnehmer der internationalen Cassian-Konferenz in Moskau in der Akademie des Klosters „Heilige Trinität - St. Sergius Laura“ (von links nach rechts): Dr. Alexey Fokin, Prof. Mark Sheridan OSB, Hegumen Dionysius Shlenow, Prof. Columba Stewart OSB, Prof. Petre Guran, Dr. Gabriele Ziegler

Im Moskauer Kreml (Моско́вский Кремль)

Im Moskauer Kreml (Моско́вский Кремль).


Tagungsbericht: Cassians innerer Weg und unsere Erfahrung
Zweites Cassian-Symposion im Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach vom 31.10.2012 bis zum 2.11.2012

Das zweite Cassian-Symposion widmete sich ganz den Fragen des inneren Weges. Es nahm Bezug auf Band 1 der „Unterredungen mit den Vätern“ des Johannes Cassian, veröffentlicht 2011 im Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach. (Rezension u.a. in: Erbe und Auftrag 1/2012.)

Eine große, aber nicht zu große Runde, jung und alt, geistliche „Profis“ und Menschen, die in Beruf und Alltag den geistlichen Weg gehen, kam zusammen. Dr. Gabriele Ziegler, Vorstandsmitglied der Johannes-Cassian-Stiftung und Moderatorin der Tagung, freute sich besonders, dass der Anteil von Frauen sowohl bei den Teilnehmern der Tagung wie bei den Referenten, zugenommen hat.

P. Fidelis Ruppert OSB, vormaliger Abt von Münsterschwarzach, erinnerte uns in seinem Vortrag „Ins Kloster gehen genügt nicht“, in dem er auf die zweite Absage an die Welt nach Johannes Cassian Bezug nahm, daran, dass wir den täglichen geistlichen Kleinkrieg zu bestehen haben. Es ist „ganz normal“, dass in uns ein „Wirbelsturm“ von Gedanken und Gefühlen tobt. Wir können lernen, Phantasiebilder abzulegen. Dr. Cornelius Metzner, Nürnberg, Psychoanalytiker und griechisch-orthodoxer Gläubiger, sprach zu uns ebenso spannend wie eindrücklich davon, wie intensiv das regelmäßige Gebet und das Herzensgebet unser vegetatives Nervensystem und unsere Seele prägen.

Adolf Hell (2. v. re.) erklärt die Antonios-Kapelle Großlangheim.

Adolf Hell (zweiter von rechts) erklärt die Antonioskapelle Großlangheim.

Der Freiburger Psychotherapeut Dr. Herbert Müller-Franke legte anhand einer Fallgeschichte des Johannes Cassian und der Legende der Maria Aigyptia eine innere Notlage, Behandlungsfehler, gelungene geistliche Begleitung sowie eine Supervision in diesen Werken dar und fragte uns, wie wir uns verhalten hätten.

Prof. Dr. Georges Descoeudres, Zürich, stellte uns in Bildern von den Ausgrabungen der ägyptischen Kellia die „Diakonia“ vor: Den Raum in den ägyptischen Mönchsbauten, in dem die Diakonie als innere Haltung vollzogen wurde: Gemeinsames Mahl der Anachoreten und Sorge für die Armen. Marianne Gugg, Salzburg, Bankerin und Mag.theol. präsentierte ihre Magisterarbeit, in der sie die Achtlasterlehre bei Evagrios Ponticos und Cassian mit Werbespots und Schlagworten unserer Tage illustrierte. Ganz im Sinne der Wüstenväter und -Mütter kam auch der Humor nicht zu kurz.

Mit Staunen und Betroffenheit hörten wir kurze Berichte einiger Tagungsteilnehmer, die in ihrem Alltag inneres Beten zu verwirklichen suchen: Pfr. Dr. Wilhelm Kursawa, Schwalmtal, berichtete von den Beanspruchungen eines Priesters. Peter Wunsch, Theologe und Krankenpfleger, spiegelte uns die Nöte der Obdachlosen, denen er in seiner Arbeit bei der Caritas Frankfurt begegnet, aber auch unsere Vorurteile. Christa Zehrtner, Dipl.-Psych., Studien- und Schulpsychologierätin aus Berlin, gab uns Anteil an ihrem inneren Suchen. Br. Linus Eibicht OSB, Leiter des Vier-Türme-Verlages, erzählte packend, wie sehr ein Klosterverlag sich auf dem Markt der Medien und Verlage behaupten muss. In ihrem Ausblick auf 2013 betonte Gabriele Ziegler, dass ihr das Eingehen auf die Tradition der frühen Anachoretinnen ein besonderes Anliegen ist. Die Übersetzung der Legende der Maria Aigyptia erscheint im Frühjahr im Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach. Der Kurs „Einfach beten“ (April 2013 im Gästehaus der Abtei) geht auf die Frauen der frühen Kirche ein.

Das Besondere dieser Tage war das Miteinander in Gebet und Gespräch. Durch die Liturgie, die Allerheiligen-Komplet auf dem Abteifriedhof und den Austausch unserer Erfahrungen gestärkt, kehrten wir ermutigt in unseren Alltag zurück.

Am Freitagnachmittag gab es noch ein Kleinod zu bestaunen: Adolf Hell erläuterte uns die Fresken der Vita des hl. Antonios und die Werke Tilman Riemenschneiders in der Antonius-Kapelle Großlangheim. Die Spuren des Antonios, des ersten der Anachoreten, sind im Werk Cassians überall zu finden. Ein eigens aufgebauter Bühnenscheinwerfer ließ die Figuren der Antoniusvita, des hl. Benedikt und der Anna-Selbdritt-Gruppe beeindruckend lebendig vor uns stehen.

gz


Bericht: Würdigung des Engagements für die Tradition der Christen des Orients. Sparkassenstiftung überreicht Scheck an die Johannes-Cassian-Stiftung Münsterschwarzach. Von Br. Simon Oberle OSB » Zum Bericht



Tagungsbericht:
Rufe aus der Wüste. Die Weisheit des frühchristlichen Möchs Johannes Cassian. Von Ulrich Bausewein (Würzburger Katholisches Sonntagsblatt Nr. 47/2011, Seite 17)  PDF-Download



Impressionen vom Cassian-Symposion 2011

Mit viel Elan und Engagement kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das Gästehaus der Abtei Münsterschwarzach: Ordensleute, Spezialisten, benediktinisch Interessierte und Neugierige. In Beiträgen und Gesprächen zeigte sich schnell: In Cassians Spiritualität liegt wahrhaft ein Schatz für unsere Zeit verborgen.
 

Gerd Summa, Saarbrücken, vermittelte anschaulich Gestalt und Struktur von Collatio 1 – ein Kommunikationsmodell in allen Facetten.
Pfr. Wilhelm Kursawa, Dilkrath, stellte die Hauptelemente der Sünden- und Bußlehre bei Cassian und den frühen irischen Bußbüchern nebeneinander.
P. Rupert Fetsch OCist, Heiligenkreuz/Stiepel, widmete sich dem Thema der „Reinheit des Herzens“.
P. Ulrich Rothacker OSB, München, erläuterte die Entwicklung des Begriffs „heilig“ von der Frühen Kirche bis in die Neuzeit.
Dr. med. Herbert Müller-Franke, Freiburg i. Br., ließ uns aufhorchen, als er zeigte, wie feinfühlig und doch ohne Übergriff auf den anderen Johannes Cassian helfende Haltung und heilendes Gespräch eines Therapeuten vorgibt.
Guntram Förster, Würzburg, gab uns präzise und genaue Einblicke in die Frage des freien Willens bei Augustinus und Cassian.
Dr. Matthias Reck, Gräfenberg, wagte den weiten Überschritt bis in die Moderne, indem er Berührungspunkte zwischen Cassian und der Existenzphilosophie Gabriel Marcels (1889-1973) luzide vorbrachte.
Dr. Gabriele Ziegler, Münsterschwarzach, stellte anhand von Textbeispielen einige Prinzipien der Übersetzung der „Unterredungen mit den Vätern“ des Johannes Cassian vor.
Abt Michael Reepen OSB begrüßt die GästeAbt Michael Reepen OSB begrüßt die Gäste.  
Gilbert Yammine und das Qanun.
Gilbert Yannine und das Qanun.
P. Thomas Timpte OSB, Südkorea, ließ uns durch einen schriftlichen Beitrag ahnen, welche Mühen die Übersetzung der Texte Cassians ins Koreanische mit sich bringt.
Höhepunkt der Tagung war die festliche Begegnung von Tagungsteilnehmern, Kuratoriumsmitgliedern der Johannes-Cassian-Stiftung, Sponsoren, Brüdern und Gästen der Abtei. Abt Michael Reepen OSB stellte den Nachmittag unter das Motto von Allerheiligen, der Freude an der Gemeinschaft aller Heiligen. Gilbert Yammine stimmte uns musikalisch im Spiel des Qanun auf den Festvortrag von Prof. Dr. Georges Descoeudres, Zürich, ein: Die Welt der ägyptischen Kellia, wie sie die archäologischen Ausgrabungen ans Licht brachten. Mit Musik und Bildern des Orients im Herzen fanden alle, die gekommen waren, reichlich Gelegenheit zu Gespräch und Begegnung.
Gabriele Ziegler